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Christliche Gemeinden verwandeln Autoscooter in einen Kirchsaal
Ökumenischer Gottesdienst auf dem Borbecker Schlossparkfest
TEXT & FOTO: THOMAS RÜNKER, BISTUM ESSEN
Essen, 03.08.2026. Wo sonst der Autoscooter zum Mitfahren einlädt, erklingen Gebete und Kirchenlieder: Beim ersten ökumenischen Kirmes-Gottesdienst auf dem Schlossparkfest in Essen-Borbeck haben drei christliche Gemeinden den historischen „Selbstfahrer“ von Schaustellerfamilie Richard Müller zur Freiluft-Kirche umfunktioniert.
BEI GOTT GIBT’S KEINE NIETEN
„Bei Gott gibt es keine Nieten!“ Als Gemeindereferentin Andrea Kemmer aus der Pfarrei St. Dionysius am Sonntagmorgen über Gottes Liebe zu den Menschen spricht, passen Inhalt und Umgebung ihrer Ansprache perfekt zusammen: Drei christliche Gemeinden in Essen-Borbeck haben zum ersten ökumenischen Kirmes-Gottesdienst auf dem Schlossparkfest eingeladen. Thema ist „Das große Los“ – und das haben für die nächsten 45 Minuten auf jeden Fall diejenigen gezogen, die einen Platz in den über 50 Jahre alten Fahrzeugen des historischen „Selbstfahrers“ der Essener Schaustellerfamilie Müller ergattert haben. Alle anderen der über 120 Gäste dieses ungewöhnlichen Gottesdienstes sitzen auf Bierbänken auf den Metallplatten der Fahrbahn oder lehnen sich an den Zaun des Fahrgeschäfts, wo früher die coolen Jungs mit Haartolle und Lederjacke standen.
FAHRGESCHÄFT-FANFARE STATT KIRCHENGLOCKE
Stilecht eröffnet Pastor Timo Meyer von der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde am Weidkamp - Kirche für Borbeck – den Gottesdienst nicht mit einer Glocke, sondern mit der Fanfare des Autoscooters. Anstelle der 50er-Jahre-Musik von Elvis Presley & Co., die hier sonst aus den Boxen dröhnt, sorgt heute die Band aus Meyers Gemeinde für Musik. Und Nele Winkel, Pastorin der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Borbeck-Vogelheim, lädt die Menschen im Autoscooter ein, mit jahrmarkttypischem „Ohhh!“ und „Ahhh!“ auf ihr Lobpreis-Gebet zu antworten.
FÜR GOTT „IST JEDE UND JEDER EIN HAUPTGEWINN“.
Dann spricht die katholische Seelsorgerin Andrea Kemmer über das „große Los“, den Hauptgewinn auf der Kirmes oder im Leben. Gott finde in seinem Lostopf den Namen jedes einzelnen Menschen, sagt sie, „und jede und jeder ist für ihn ein Hauptgewinn“. Passend dazu können die Gottesdienstgäste Lose ziehen. Auch dabei gibt es keine Nieten, sondern verschiedene Bibelzitate, über die sie sich miteinander austauschen.
Mit Fürbitten, in die auch die Schaustellerinnen und Schausteller eingeschlossen werden, dem gemeinsamen Vaterunser, dem Segen der drei Seelsorgenden und einem kräftigen Applaus endet der Gottesdienst – und ringsum öffnen nach und nach die Kirmesbuden.
INFO: DAS SCHLOSSPARKFEST IN ESSEN-BORBECK
Seit über 40 Jahren verwandeln Schaustellerinnen und Schausteller den Park rund um die ehemalige Residenz der Äbtissinnen des Essener Frauenstifts in eine bunte Kirmes. Neben Verkaufsbuden und Kinderkarussells liegt der Schwerpunkt seit über zehn Jahren auf dem historischen Jahrmarkt mit „Selbstfahrer“, der „Berg- und Talbahn“ und einem denkmalgeschützten Riesenrad von 1902. Erstmals haben sich die Katholische, die Evangelische und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde aus Borbeck mit einem ökumenischen Gottesdienst am Programm beteiligt.
