Nachrichten

Über 300 Teilnehmende in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen
Dialogprojekt brachte Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammen
Essen, 23.08.2025. "Richtig und wichtig. Wir brauchen DRINGEND mehr Formate wie dieses!" - "Obwohl wir unterschiedlicher Meinung waren, hat mir der Austausch in dieser Atmosphäre gut getan!" - "Im Vier-Augen-Gespräch ist es viel leichter, respektvoll miteinander umzugehen, als in den sogenannten sozialen Netzwerken." - "Am Ende war mir klar, dass jede von uns nur das Beste für die Menschen will, die hier leben - nur eben auf andere Weise." - Bei "Das Ruhrgebiet spricht" haben sich öffentliche Plätze in den vier größten Städten unserer Region - Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen - am Freitag und Samstag in Orte des persönlichen Dialogs über umstrittene Themen verwandelt.
EHRLICHER AUSTAUSCH ÜBER FRAGEN, DIE POLARISIEREN
„Kümmern sich Politikerinnen und Politiker darum, was du denkst?“ – „Hast du das Gefühl, dass du mit deinen Ansichten nicht mehr in die Gesellschaft passt?“ – „Denkst du, dass zu viel Vielfalt zu Konflikten führt?“ – Diese und ähnliche Fragen, die unsere Gesellschaft zurzeit zu polarisieren scheinen, standen im Mittelpunkt der rund 150 Eins-zu-eins-Gespräche. Marktkirchen-Pfarrer Jan Vicari begrüßte die Teilnehmenden mit seinem Team; auch der rheinische Präses Dr. Thorsten Latzel, unsere Superintendentin Marion Greve und Assessorin Monika Kindsgrab führten Gespräche.
"Menschen mit unterschiedlichen Positionen konnten sich hier austauschen und kennenlernen. Wir haben gemerkt, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen statt übereinander - damit es nicht zu Rissen in der Gesellschaft kommt", schilderte Präses Latzel hinterher seine Eindrücke. "Fast alle Menschen teilen miteinander das Ziel, der kommenden Generation eine gute und lebenswerte Gesellschaft zu hinterlassen - das stimmt mich sehr hoffnungsvoll. Nur machen wir im Alltag eben ganz unterschiedliche Erfahrungen, die wiederum zu verschiedenen Haltungen und Ansichten führen und über die wir deshalb reden müssen. Und gerade dafür ist ein Format wie dieses perfekt geeignet."
Bis zum Schluss der Online-Anmeldung am 13. August hatten sich fast 300 Menschen für das Dialogprojekt registriert; in Bochum (60 Anmeldungen), Duisburg (26) und Essen (80) war auch eine spontane Teilnahme möglich. Wer sich angemeldet hatte, wurde gezielt mit einem Gesprächspartner gematcht, der über wichtige Fragen aus Politik und Gesellschaft anders denkt. Aber auch für die spontane Teilnahme fanden sich viele Interessierte ein.
ZUHÖREN VERBINDET, VERSTÄNDIGUNG IST MÖGLICH!
Wie das bundesweite Vorbild "Deutschland spricht" wollte die regionale Ausgabe Lust auf echten Austausch machen: „Unsere Aktion macht genau das möglich: Sie fördert ehrliche Gespräche zwischen Menschen mit gegensätzlichen Meinungen, wobei es nicht darum geht, zu überzeugen, sondern einander besser zu verstehen. Zuhören verbindet und Verständigung ist möglich“, hatten die Projektverantwortlichen ein Leitmotiv ihrer Initiative vorab beschrieben. "Jedes Gespräch zählt - von daher haben wir unsere Ziele erreicht, auch wenn sehr kontroverse Gespräche ausgeblieben sind. Leider haben sich bei diesem Auftakt nur wenige Bürgerinnen und Bürger beteiligt, die konservative oder sogar AfD-Positionen vertreten."
Die Anmeldung war bewusst einfach gehalten: Alle Interessierten mussten online ein paar kurze Fragen beantwortet, wie sie zu Themen und Problemen unserer Zeit stehen. Anschließend verband ein intelligenter Algorithmus immer zwei Menschen so miteinander, dass möglichst kontroverse Meinungen und somit wiederum spannende Gespräche zu erwarten waren.
Der persönliche Eins-zu-eins-Austausch fand am 22. bzw. 23. August an öffentlichen Orten in den vier größten Städten des Ruhrgebiets statt – unter vier Augen und doch zusammen. Vorkenntnisse oder Vorbereitungen waren nicht nötig – außer, sich offen und unvoreingenommen auf ein rund anderthalbstündiges Gespräch einzulassen.
ZAHLREICHE UNTERSTÜTZER
„Wir freuen uns über die große Unterstützung von starken Partnern aus der gesamten Region, die dieses Projekt überhaupt erst ermöglicht haben. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass starke Verbindungen zwischen den Menschen im Ruhrgebiet entstehen und der Dialog unsere Gesellschaft stärkt“, so die Organisatoren des Projekts. „Das Ruhrgebiet spricht“ war eine Initiative der evangelischen Stadtkirchen in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen, die das erfolgreiche Format „Deutschland spricht“ der ZEIT Verlagsgruppe für diese regionale Variante adaptieren durften.
Als Kooperationspartner und Förderer wirkten der Regionalverband Ruhr, die Universität Duisburg-Essen, die Evonik Industries AG, die Sparkassen Essen und Dortmund und die Evangelische Kirche in Westfalen mit. Zahlreiche weitere Institutionen und Organisationen wie die AWO Essen, das Bistum Essen, die Diakoniewerke der vier Städte, Stadtbibliotheken, Volkshochschulen und weitere mehr haben das Projekt tatkräftig unterstützt. In Essen förderte außerdem das Unperfekthaus das Event.
STICHWORT: DAS RUHRGEBIET SPRICHT
„Das Ruhrgebiet spricht“ war eine gemeinsame Aktion der evangelischen City- und Stadtkirchen in Bochum, Dortmund (in Kooperation mit dem Theater Dortmund und der Diakonie), Duisburg und Essen. Es fand in dieser Form zum ersten Mal im Ruhrgebiet statt. Das Projekt adaptierte das erfolgreiche Format „Deutschland spricht“ der ZEIT Verlagsgruppe: „Deutschland spricht“ vermittelt Menschen, die politisch gegensätzlich denken, in kontroverse Vieraugengespräche.
Seit 2017 haben sich bundesweit bereits mehr 90.000 Menschen für das Gesprächsformat angemeldet. Davon inspiriert, setzen sich die evangelischen Kirchen für eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der demokratischen Gesprächskultur im Ruhrgebiet ein: „Gemeinsam machen wir uns in unseren Innenstädten für das Gemeinwohl, eine pluralitätsfähige Spiritualität und eine weltoffene Kultur an den Schnittstellen von Kirche und Gesellschaft stark."
Zur Homepage von Das Ruhrgebiet spricht »